Auktionshaus Tschöpe
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Die bis heute größte gedruckte Aktie der Welt wurde für das spanische Königshaus geschaffen

ACCION PREMIENTE (VORZUGSAKTIE) DE LA COMPANIA DE REALES DILIGENCIAS

ACCION PREMIENTE (VORZUGSAKTIE) DE LA COMPANIA DE REALES DILIGENCIAS

Vorzugsaktie ohne Nummer der "Gesellschaft der Königlichen Kutschen (Königliche Kutschengesellschaft) ; begeben am 28. März 1831;
Farbe: schwarz, beige, Druck auf handgeschöpftem, kartonstarkem Papier;
Maße: 68 cm X 52 cm; Lithograpie: 39,5cm X 22 cm.

Übersetzung des Aktientextes: Kipfer, Alexander, 1989:
Gemäß des 5. Artikels der Vertrags-Urkunde und der Bestimmung der Aufsichtskommission unter Teilnahme von Beratern und Direktoren, hat die Gesellschaft der Königlichen Kutschen an der Sitzung vom 26. Februar 1831 die Ehre, diese Aktie zu übergeben:
A.L.R.P. de S.A.R. (Son Altesse Royale) die Allerdurchlauchtigste Prinzessin
Donna Maria Isabel Luisa (später Isabella die II. von Spanien)

erhabene Tochter des besonderen Schirmherren und tatkräftigen Förderer des vorteilhaften Geschäftes der Spanischen (Post-) Kutschenbetriebe.

Diese Aktie ist seit dem 1. Januar 1831 gültig und wurde am 28. März des gleichen Jahres ausgestellt.
Drei Original-Unterschriften auf einer Zeile: - Der Präsident der Aufsichtskommission, - der erste Stimmberechtigte, - der zweite Stimmberechtigte und Sekretär.
Auf einer Zeile: Der 1., 2., 3. und 4. Berater. Auf einer Zeile: 2 Generaldirektoren und der Zentralverwalter. Als erster Generaldirektor unterschrieb im Original Francisco Xavier Cabanes.
Wie man dem königlichen Auftrag, der nachstehend aufgeführt wird, entnehmen kann, hatte der König die Güte, diese Aktie zu genehmigen, womit ich es für gut finde, S.M. (seine Majestät) zu ehren und für seine Bemühungen für die Gesellschaft zu belohnen.

Königlicher Auftrag, auch Befehl:
Der König, unser Herr (N.S.) (Ferdinand VII.) hat durch eigenhändige Anordnung, ausgestellt von seiner Königlichen Hand am 17. Februar die Eingabe der Aufsichtskommission der Gesellschaft der Königlichen Kutschen vom 15.2. gutgeheißen mit der Bitte, seine Majestät, seine erhabene Ehefrau und die allerdurchlauchteste Tochter Prinzessin in der Zahl und an die Spitze der Mitglieder zu zählen mit der Zuteilung von 12 Aktien zu diesem Zweck. 4 Aktien für seine Königliche Person, 4 Aktien für die Königin und 4 Aktien für die Prinzessin, doch ohne Nummer (also Vorzugs- Aktien) und in der Klasse der Vorzugsaktien, in erster Linie und an erster Stelle der Serie (Aktien) der Gesellschaft.
Mit königlichem Auftrag zur Kenntnis und Genugtuung. Gott schütze sie für lange Jahre. Palast, 19. Februar 1831.
Unterschrift im Druck: Manuel Gonzales Salomon; Direktor der Gesellschaft der Königlichen Kutschen.

Bei dem hier vorliegendem Historischen Wertpapier treffen alle Kriterien, die dieses Sammelgebiet in sich vereint, zusammen: historische Bedeutung, Seltenheit und Kunst auf Aktien. Im solchen Kutschenstation, die Bekleidung der abgebildeten Personen sowie auch die Uniformen sind wirklichkeitsgetreu im Stein gezeichnet.
Die Szene spielt sich vor einer Kutschenstation ab ( siehe Inschrift oberhalb Eingang: Parador, historisch = Erholungsort, heute sind damit die Schutzhäuser/Hotels in den Naturschutzgebieten gemeint).
Oberhalb der Leitspruch der Station: Beweglichkeit siegt. Unterhalb der Lithograpie der Sinnspruch der Gesellschaft: Sicherheit - Bequemlichkeit - Schnelligkeit.
Im Vordergrund interessante Darstellung von Gepäck- und Frachtstücken, Ersatzrad, Hutschachtel (sehr wichtig für die Damen jener Zeit), das Wappen des Königshauses (überdacht von der Krone), rechts zwei Straßenarbeiter (Weg-Knappen) und Arbeitsgeräte für den Strassen- und Wegebau.
Reizend die Aufschrift auf dem Gepäckballen links: Posa Piano = mit Vorsicht zu behandeln, dazu mit Pfeil der Bestimmungsort Madrid. Die Darstellung der trabenden und springenden Pferde erinnern an die Darstellungen solcher Szenen auf englischen Grafikblättern dieser Zeit. Mit kurzen Worten: eine naturalistische (und nicht romantische) Wiedergabe.

Ferdinand VII. (1784-1833), König von Spanien von 1808-1833
Ferdinand VIIEine Hofverschwörung, an der am 4. Oktober 1784 in San Ildefonso geborene Ferdinand beteiligt war, gab Napoleon, dem Kaiser der Franzosen, 1808 den Anlaß, Spanien zu besetzen und die königliche Familie gefangen zu nehmen. Ferdinand blieb bis zum Sturz Napoleons Gefangener, galt aber den spanischen Untergrundkämpfern als Führer in deren Freiheitskampf gegen Spanien. Nach dem Fall Napoleons kehrte er als König nach Spanien zurück und regierte das Land absolutisch im Sinne der Restauration. Er verwarf die von Cortes 1814 beschlossene Verfassung, führte aber die Inquisation und Folter wieder ein und machte sich als Despot verhasst. Einen Aufstand schlug er 1820 mit französischer Hilfe nieder. Nach dem Tod seiner dritten Frau heiratete Ferdinand VII. 1828 Maria Christina, die Tochter des Königs von Sizilien und änderte das Erbrecht zugunsten seiner 1830 geborenen Tochter Isabella und rief damit nach seinem Tod am 29. September 1833 in Madrid mehrere Tronfolgekriege (Carlistenkriege) hervor, die von seinem Bruder Don Carlos angezettelt wurden.

 

 

 

 

Isabella II. (1830 bis 1904), Königin von Spanien von 1833 - 1870
Isabella IIDie 1830 in Madrid geborene erste Tochter Ferdinand VII. wurde somit schon mit drei Jahren von den Cortes, dem spanischen Parlament, zur Königin proklamiert und nach der Regentschaft ihrer Mutter 1843 für mündig erklärt. Schon damals musste der Thronanspruch ihres Onkels Don Carlos im ersten Carlistenkrieg (1833-40) abgewehrt werden. Auch beim Carlistenaufstand von 1849/50 konnten sich die Anhänger Isabellas behaupten, aber die #Regierungszeit Isabella II. wurde weiterhin von heftigen inneren Unruhen, ständigen Parteikämpfen und wiederholten Kabinettswechseln geprägt. 1868 durch den Flottenaufstand von Cadiz gestürzt, ging Isabella II. ins Exil nach Frankreich. 1870 verzichtete sie zugunsten ihres Sohnes Alfons XII. auf den Thron.

 

Francisco Xavier Cabanes, Brigadekommandeur der spanischen Infanterie und Kartographeur
unterschrieb im Original als einer der Generaldirektoren
diese Aktie.
Im Verlauf des 18. und 19. Jahrhunderts verstärkten die europäischen Regierungen die Kontrolle über ihre Territorien zusehends. Zwingende Bestandteile dieses Prozesses waren sowohl eine detaillierte Kartographie der betreffenden Gebiete als auch die Entwicklung präziser und gut organisierter Netzwerke des Kommunikations- und Transportwesens.
Somit wurde Francisco Xavier de Cabanes 1829 mit der Aufgabe betraut, eine genaue Karte des "Spanischen Staatspostsystems" zu erstellen.
Die Legende seiner Karte unterscheidet nicht nur 5 Straßentypen (hierachisch geordnet) sondern auch 2 Niveaus postalischer Verwaltungseinheiten. Außerdem erteilte die von ihm erstellte Karte Aufschluß über alle wichtigen Postübertragungs- und Verbindungsstellen und enthält damit bereits die gesamte wesentliche Information, die für eine sinnvolle Nutzung und wirkungsvolle Regulierung des Postsystems notwendig ist.
Änderten sich zuvor Kartenmaßstäbe von einem Oret zum anderen, so wurde mit der Erstellung dieser Karten erstmals eine Maßeinheit vom Staat verbindlich geworden.

Vor rd. 15 Jahren wurden in Frankreich, in einer Rolle verpackt, vier Aktien dieser Postkutschen-Gesellschaft entdeckt, die sämtlich auf die Prinzessin ausgestellt waren. Es dauerte Monate, die über viele Jahre gerollt aufbewahrten Stücke aufgrund der Papierstärke zu glätten, ohne daß es zu Papierbruch kam. Drei Exponate wurden direkt an Sammler veräußert, das 4. Stück wurde im Dezember 1989 auf unserer 23. Auktion angeboten und erzielte seinerzeit auf Anhieb DM 43.000. Erstmals können wir nun ein weiteres Exponat öffentlich anbieten.

Rarität!

Schätzpreis EUR 50.000 - 70.000
Ausruf: EUR 45.000,-




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